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Rede zur Ausstellung von Franziska Schemel im Kurhaus Freudenstadt am 9.5.2008


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Franziska,

ich möchte Sie sehr herzlich zur Eröffnung dieser wunderschönen Ausstellung begrüßen. Franziska Schemel, die nach 1992 und 2002 nun zum dritten Mal in Freudenstadt ihr Kunstschaffen präsentiert, studierte von 1984 bis 1990 an der Stuttgarter Kunstakademie freie Malerei und Grafik und ließ sich anschließend als freischaffende Künstlerin in Karlsruhe nieder. Das Kunststipendium der Stadt Freudenstadt, welches mit einem mehrmonatigen Arbeitsaufenthalt und einer Ausstellung in der Städtischen Galerie mit eigenem Katalog dotiert war, zählt somit zu den frühen Auszeichnungen ihrer künstlerischen Arbeit, wie auch der 1. Preis der Kreissparkasse Waiblingen, den die Künstlerin im selben Jahr erhielt. Seitdem folgten zahlreiche Einzelausstellungen, Gruppenausstellungen und Messebeteiligungen in Deutschland und der Schweiz, die mit etlichen Ankäufen sowohl durch die öffentliche Hand als auch durch private Kunstsammler verbunden waren.

Überschaut man diese 18 Jahre, in denen es Franziska Schemel in beeindruckender Weise gelang, sich mit ihrer Arbeit unverwechselbar auf dem Kunstmarkt zu positionieren und zu etablieren, erkennt man eine ebenso konsequente wie stringente künstlerische Entwicklung. Ihr Oeuvre befasst sich in all den Jahren vor allem mit einem Thema, dem der Stadtlandschaft, wobei die andauernde und intensive Auseinandersetzung mit dieser Thematik verschiedene inhaltliche Aspekte zum Ausdruck bringt. In den ersten Jahren ihres bildnerischen Schaffens steht die Peripherie der Großstadt im Mittelpunkt. Die mit Acryl, Aquarell, Pastell und Graphit ausgeführten Kompositionen zeigen vorrangig mit Müll und Schrott überhäufte Grünflächen oder Kraftwerke mit mächtigen Transformatoren, deren Hochspannungsmasten und Oberleitungsnetze den freien Blick zum Himmel verstellen. Wie mit dem Teleobjektiv einer Kamera ist das Motivische nah an den Betrachter herangerückt und mit gestisch bewegten Flächen und Linien in leuchtenden Farben umrissen. Die meist vor Ort spontan auf Papier oder Leinwand niedergeschriebenen Werke weisen eine vielfältige differenzierte Formen- und Farbensprache auf, die das Wiedergegebene nicht nur zuweilen sehr verfremden, sondern vor allem in eine Sphäre der Ästhetik transponieren, in der der Betrachter den wenig anziehenden Sujets vorbehaltlos begegnen kann.
Um die Mitte der 90er Jahre beginnt die gestisch expressive Malerei einer wohlüberlegten, sehr reduzierten Darstellungsweise zu weichen. Die Rücknahme der formalen und farblichen Expressivität ist durch einen Standortwechsel bzw. Blickwechsel innerhalb der Großstadtthematik bedingt: nicht mehr die durch Dreck und Industrieanlagen verunstaltete menschenleere Peripherie, sondern das dicht bebaute und besiedelte Stadtzentrum mit hoch aufragenden Mauerwänden, langen Straßenfluchten, dunklen Gebäudefluren und zu Schemen entindividualisierten Personen zieht jetzt die Aufmerksamkeit der Künstlerin auf sich. In der bildnerischen Reduktion auf das Wesentliche gewinnen Wirkung und Atmosphäre des Dargestellten an Intensität. Die Formen wiederholen lediglich die Umrisse der Architektur, die Farben sind den verschiedenen Gesteinfarben sowie korrodiertem Eisen und Stahl angelehnt. Um die Oberflächenstruktur des bildnerisch Gestalteten der Realität anzugleichen, mischt die Künstlerin dem Acryl Marmor-, Schiefer-, Eisen- oder Stahlmehl sowie Sand oder Torf bei.

Bereits die frühen, in den städtischen Randgebieten vorgefundenen Motive hält Franziska Schemel stets auch mit der Kamera fest, um die vielfältigen Eindrücke als Informations- und Inspirationsquelle für die weitere Arbeit zu dokumentieren. Inmitten des großstädtischen Treibens, wo ein Arbeiten an Ort und Stelle fast unmöglich ist, wird die Kamera zum wichtigsten Instrument, um die Impressionen fotografisch einzufangen, die anschließend in der Abgeschiedenheit des Ateliers bildnerisch umgesetzt werden. Zunehmend mehr beginnen auch die unterirdischen, künstlich beleuchteten Bauwerke wie U-Bahnstationen, Tiefgaragen, Unterführungen und Tunnels Eingang in ihr Werk zu finden, wobei der Blick bevorzugt auf die Nahtstelle zwischen Innen- und Außenwelt und auf die Wege, die in die unterirdischen Räume hinein-, hindurch- und herausführen, gerichtet ist. Die fotografisch eingefangenen Situationen offenbaren durch indirekte und künstliche Lichtquellen wie Tür- und Toröffnungen, Ober- und Neonlichter, Aus- und Durchblicke so komplexe und vielschichtige Raumzusammenhänge, wie sie im Medium der Malerei kaum wiederzugeben sind. So ist es nur eine logische Konsequenz des bisherigen Arbeitsprozesses, die fotografisch fixierten Bilder ganz unmittelbar in die Arbeit auf Papier, Leinwand oder Holz zu integrieren. Mit diesem Schritt, die Fotografie zum konkreten Ausgangspunkt der Komposition zu machen, erweitert sich zugleich die Dimension der künstlerischen Aussage um ein Vielfaches. Wichtige Raumlinien, -öffnungen und Architekturformen der in die Leinwand monierten Fotos führt Franziska Schemel in ihren Kompositionen weiter, so dass sich der zentralperspektivische fotografische Raum bildnerisch nach Außen öffnet und den Betrachter ganz unmittelbar in die dargestellte Situation miteinbezieht. Die Vielschichtigkeit des realen Ortes findet in dem mehrschichtig strukturierten Farbauftrag seine Analogie.
Die Kompositionen, die seit 1998 auf diese Weise entstanden sind, und die zum Teil bereits 2002 und auch hier präsentiert werden, wirken in ihrem Aufbau einfach und klar strukturiert. Die verdichtete Atmosphäre des festgehaltenen Augenblicks vermag der Betrachter jedoch nur dann zu erfassen, wenn er bereit ist, sich auf Fotografie und bildnerische Zeichen in aller Ruhe einzulassen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

© Katja Förster, Karlsruhe

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