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Uwe Hinkfoth

Zwei unterschiedliche Welten

Fotografie und Malerei in einem Bild:
Arbeiten von Franziska Schemel

Rede zur Eröffnung der Ausstellung in der Galerie Keller in Mannheim-Lindenhof am 8. November 2008
Wer die Bilder Franziska Schemels sieht, der wird sich kaum vorstellen können, dass ihre Anfänge einmal in der figürlichen Malerei lagen. Die in Frankfurt am Main geborene Künstlerin wuchs in Stuttgart auf und hat 1984 bis 1990 an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei den Professoren Dieter Groß und Erich Manzen studiert. Hier wurden erste Grundlagen für ihre künstlerische Laufbahn gelegt, die sie seit 1990 als freischaffende Künstlerin im eigenen Atelier in Karlsruhe beharrlich verfolgt. Ein wenig schelmisch nimmt sich ihr Wort aus "Ich mach nur Kunst, ich mach nichts anderes"
. Eine solche Aussage zeigt, wie konsequent sie ihren Weg bis heute gegangen ist und wie ernst ihr trotz des Schmunzelns die Arbeit ist. Der Erfolg der Künstlerin lässt sich an zahlreichen Preisen und Auszeichnungen ablesen, beispielsweise dem Stipendium der Stadt Freudenstadt 1992. Ankäufe finden sich in bedeutenden Sammlungen, etwa in der Städtischen Galerie Karlsruhe oder im dortigen Badischen Landesmuseum. Für die Eichendorff-Schule in Karlsruhe schuf sie vor fünf Jahren eine mehrteilige, große Arbeit im Entrée zur Turnhalle.
Wenn in der Ausbildung zunächst die Darstellung der Landschaft und der menschlichen Figur eine gewisse Rolle spielte, so ist heute in ihrer Malerei allein die abstrakte Malweise geblieben.
Die Besonderheit der Arbeiten Franziska Schemels besteht nun darin, dass sie zwei verschiedene Medien, das klassische Leinwandbild auf der einen Seite und die Fotografie auf der anderen Seite miteinander kombiniert. Das Prinzip des Zusammenklangs verschiedener Materialien in einem Bild ist spätestens seit dem Kubismus ein Thema. Die Konfrontation zweier miteinander an sich unvereinbar scheinender Medien jedoch derart stringent angewendet zu haben, ist das Spezifikum der Arbeiten dieser Künstlerin.
Franziska Schemel sieht beides, das Fotografieren und das Malen als zunächst getrennte Verfahren. Das eine habe mit dem anderen anfänglich nichts zu tun. Auch zeitlich liegt eine Distanz zwischen beiden Ebenen. "Ich kann nicht beides gleichzeitig machen" bekundet sie und ergänzt: "Es sind zwei unterschiedliche Aussagemöglichkeiten".
Das Fotografieren geschieht in internationalen, großen Städten - ihre Motive sucht sie sich in Alltagssituationen. Dabei wählt sie sich bewusst unwirtliche Orte aus, Unterführungen beispielsweise, die die Menschen hastend durchlaufen oder U-Bahnhöfe, auf denen sie die Ankunft der Züge stehend oder sitzend erwarten. Durchgangsorte, die Sinnbilder sind für das Vorübergehende, das Ephemere. Es gibt Fotografien mit zahlreichen Passanten, solche mit wenigen, aber daneben auch menschenleere Szenerien. Diese Verkehrswege, die allein durch künstliches Licht beleuchtet sind, werden aus unterschiedlicher Perspektive gesehen. Mit analoger Kamera ausgestattet sind der Künstlerin dabei auch ungewöhnliche Ansichten, etwa jene vom Boden aus, recht. Der Blick der fotografierenden Künstlerin richtet sich zumeist auf einen zentralen Punkt in der Bildmitte. So laufen alle Fluchtlinien im Zentrum des Bildes zusammen - Erinnerungen an die Zentralperspektive, die in der Renaissance entdeckt wurde, werden wach.
Vor Ort sammelt sie Ideen für das weitere Vorgehen; sie setzt sich ganz der Umgebung aus, nimmt Gerüche und Geräusche wahr. Man sieht den Fotografien an, dass sie nicht ad hoc entstanden, sondern dass sie Produkt eines länger währenden Arbeitsprozesses sind. Das Foto kann durchaus als Quelle und als Keimzelle gewertet werden - dies zeigen besonders die jüngst entstandenen Arbeiten auf Papier, die hier in der Galerie im ersten Raum gehängt sind. Die im Foto vorgegebenen Linien setzen sich in dem es umgebenden Bild fort.
Die Diskrepanz zwischen der Fotografie und dem gemalten Bild wird allein schon im Größenvergleich deutlich. Stets sind die Fotografien klein, ja winzig im Vergleich zur Malerei. Ein weiterer grundsätzlicher Unterschied besteht darin, dass auf den Fotografien die menschliche Figur einbezogen ist, wogegen sie auf den gemalten Bildern ausgespart bleibt. Die Invention der Künstlerin liegt also vor allem darin, das scheinbar Unvereinbare in einem Bild zusammenzubringen. Zwei unterschiedliche Welten in einem Bild ist hier nachgerade zum Motto erhoben.

Malvorgang und Malweise

Es ist evident, dass die Künstlerin, um der Dominanz der Fotografie entgegenzuwirken, die eigentliche Bildkomposition stets mit geometrischer Strenge angeht. Dabei fallen die Formate unterschiedlich aus. Neben dem Quer- und dem Hochformat setzt sie mitunter auch auf kreisrunde oder halbrunde Formate, wobei die Fotografien, die gerne auch am Rand in die Bilder integriert werden, weniger tief sind als die sie umgebende Malerei. So stellt sich in diesen Fällen für den Betrachter optisch eine Unterbrechung des Bildrandes ein.
Die Bilder selbst werden mit reduziertem Vokabular, der geraden Linie und dem Segmentbogen, klar in Farbflächen geschieden.
Die Binnenstruktur dieser Felder dagegen lässt vieles zu. So sind die Farben, unter Hinzunahme von Acryl, Sand oder metallischen Pigmenten von der Künstlerin selbst zusammengemischt, in der Weise, wie sie dies auf der Akademie gelernt hat.
Die Malweise und Oberflächenbehandlung kann sehr unterschiedlich ausfallen, wenngleich der Pinselduktus ruhig und nie zügellos ausfällt. Im Nahblick, zu dem uns die Künstlerin wegen der Kleinheit der Fotografien ohnehin zwingt, sieht man die unterschiedlichen Techniken des Spachteln oder Malens. Nicht selten entstehen durch mehrmaliges Überarbeiten stark pastose Bilder. Ein schieres Ringen, bis die endgültige Form gefunden ist, ist den Bildern jedenfalls ablesbar.
In einigen Bildern, so dem fünfteiligen Acrylbild hier im mittleren Raum, das Assoziationen an eine Klaviatur weckt, sind zudem vor die eigentlichen Leinwände hochrechteckige Platten montiert, die die Zweidimensionalität aufbrechen. Einem Relief einer bildhauerischen Arbeit gleich ist hier mit einfachem Schachzug die dritte Dimension hinzugekommen. Zudem ergibt sich dadurch der Effekt starker Schattenbildung. Die fünf hochrechteckigen Bilder sind nur in der Zusammenschau ein Werk; als Einzelteile haben sie keine Daseinsberechtigung. Im nun horizontalen Gesamtbild mag man - ganz unabhängig vom Gedanken der oben erwähnten Klaviatur - auch eine Pfeilerkolonnade erblicken; das dahinter gegebene Schwarz könnte dann als ovaler Raum mit weißen Wänden gedeutet werden. Ganz gleich: Den Umstand, dass dem Betrachter des abstrakten Bildes verschiedene Assoziationen zu einem fiktiven Gegenstand kommen können, mag man als Qualitätsmerkmal dem Bild attestieren.
Die Hängung der Einzelbilder muss übrigens derart exakt erfolgen, dass die gekrümmten Linien der Segmentbögen, die der Betrachter in der Zusammenschau ergänzt, unversehrt bleibt. Der Positivform des schwarzen Segmentbogens unten korrespondiert die weiße Negativform oben, die sich aus den abgesägten gräulich-blauen Paneelen ergibt. Etwas unterhalb der Bildmitte der zentralen Leinwand findet sich dann, auf dem Zenit des unteren Segmentbogens, das unweigerliche Aludibond/Plexi-Foto.


Seit einiger Zeit verwendet Franziska Schemel ein neues Stilmittel, das alle Bilder hier im zentralen Raum der Galerie gemeinsam haben. Dabei sind die Bilder mit einem Blindrahmen versehen, der bewirkt, dass sich das eigentliche Bild deutlich vor und parallel zu den Wänden befindet. Sodann versieht die Künstlerin die Bilderrückseiten mit Leuchtfarben dergestalt, dass deren Widerschein an den weißen Ausstellungswänden über den Bildrand hinaus zur Geltung kommt. Dies Stilmittel nobilitiert die Bilder; es verleiht ihnen eine quasi sakrale Aura. Zugleich verändert sich durch dies Raffinement die Farbwirkung der Bilder, die an sich zumeist mit eingeschränkter Palette auskommen.
Auch die Arbeiten auf Papier sind deutlich vor den Rahmenrückwänden positioniert, so als würden sie schweben. Etwa ein Zentimeter liegt dazwischen. Die Ränder der Büttenpapiere sind in ihren Ausfaserungen ganz sichtbar gelassen. Die Entscheidung fällt zu Ungunsten des klassischen Passepartouts aus, das die Bilder, selbst wenn sie randsichtig montiert würden, doch in gewisser Weise einzwängen würden - solcherlei Vorgehen aber käme dem Kunstwollen der Franziska Schemel nicht entgegen.
Fehlende Titel
Die Künstlerin verzichtet übrigens darauf, den Bildern Titel zu geben. Titel erweckten stets Eindrücke und überlagerten so das eigentliche Bild - dies ist nicht im Sinne der Urheberin. Die Bilder sollen aus sich heraus Eindrücke erwecken und nicht auf Grund von Titeln. Es ist nun an Ihnen, sehr verehrte Besucher, sich der Bilderwelt der Franziska Schemel zu nähern und anstelle der fehlenden Titel vielleicht rote Punkte folgen zu lassen. Vielen Dank.

Uwe Hinkfoth

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